Auf dem
Land und in der Hauptstadt Zimbabwes im südlichen Afrika in einer
Familie von Musikerinnen, Hebammen, Kräuterfrauen und Geistheilerinnen
aufgewachsen, spielt ‚Virginia Mukwesha seit ihrem 12. Lebensjahr funktionelle
Musik auf Zeremonien des Shona/Mbire-Volkes. Zur Mbira (Lamellophon/Daumenklavier)
singt sie, trommelt auf Ngoma und ist ausserdem eine der besten Hosho-Rassel-spielerinnen
des Landes. Sie vertiefte ihre Kenntnisse durch ein Studium am Zimbabwe
College of Music, ist aber auch Mitglied der "Zimbabwe National
Traditional Healers Association" und sammelte Erfahrung bei Auftritten
in der Band ihrer Mutter
Mbira-Musik entstammt der Khoisan-Buschmann-Kultur und ist so dreissig
oder mehr tausend Jahre alt. Neben Heilung, innerer Ruhe und Trance
bewirkt Mbira die alltägliche Kommunikation mit den lebenden Geistern
gestorbener Ahnen durch Besessenheit von Medien. Ca. 50 Mbira-Spiel-Muster
rufen die Geister der Toten herbei. Die Kreativität der Musiker
beseht in der Komposition von Variationen dieser klassischen Stücke
und im freien Gesang.
Neben ihren Tätigkeiten als traditionelle Mbiramusikerin und Assistentin
ihrer heilenden Großmutter, spielte und sang Virginia Mukwesha
bei Konzerten und Aufnehmen in Afrika und Europa in der Mbira-Pop-Band
ihrer weltbekannten Mutter Stella Rambisai Chiweshe. Mit 13 tritt sie
zum ersten Mal im Fernsehen (ZBC) auf. Mit 14 steht sie zum ersten Mal
in einem Tonstudio.
Gleichzeitig kämpfte sie bei ländlichen Jiti-Vollmondparties
in Tanz- und Provokationswettkämpfen gegen ihre männlichen
Altersgenossen. Absolute Ausnahme für Afrika: Bei Jiti trommeln,
singen und tanzen Frauen und Männer im selben Rhythmus. Die Jiti-Party
ist der einzige Ort auf dem Land, an dem sich Singles beiderlei Geschlechts
frei begegnen können. Der Jiti-Tanz ist eine bestimmte Art des
Solo- und Gegeneinander-Paar-Tanzens, bei der Mann und Frau zeigen
müssen, wie gut sie ihren Körper bewegen können – natürlich
auf möglichst aufreizende und skandalöse Art. Jiti ist ein
musikalischer und verbaler Kampf zwischen Lead-Sängerin/Master
of Ceremony/Tänzer/TrommlerIn und einem antwortenden Publikum aus
Stimmen, Instrumenten und tanzenden Körpern. Im Befreiungskampf
sang, spielte und tanzte sie Jiti-Musik auf den Pungwe Versammlungsparties
der Freiheitskämpfer.
Die Freiheit des Jiti inspirierte Virginia Mukwesha dann, mit der Elektrifizierung
der Kampftänze den "City-Jiti" zu kreieren: Sie schrieb
hyper-provokative Texte voll bissigen Humors, triefender messerscharfer
Kritik an – nicht nur –afrikanischer Männerwirtschaft und bloßstellendem,
augenzwinkerndem Vergnügen an menschlichen Schwächen. In Zimbabwe
unerhört und skandalös war schon ihr öffentliches Singen
der Namen männlicher Liebhaber. Mit diesen Texten eröffnete
sie vollkommen neue Perspektiven für das Frauenimage in der zimbabwischen
Musikszene, waren sie doch vorher nur als Prostituierte auf der Bühne
zugelassen worden. Auf der Basis original getrommelter, treibender Jiti-Rhythmen
komponierte sie Parts neuer Jiti-Instrumente wie Marimba, E-Gitarre
und –Bass, sowie Schlagzeug.
1992 veröffentlichte sie ihr Debutalbum "Farai" – ohne
Mbira – aber mit einer Selektion von jungen Marktfrauen, die als Response-Chor
den Biss auf die zimbabwischen Männer verstärkten. Zwei kongeniale
Marimbaspieler und Musiker, die den Kern ihrer eigenen Band bilden sollten,
schufen rauhe und packende Tanzmusik. International war "Farai"
ein Erfolg:
Platz 4 der World Music Charts Europe und Kritiken der Weltmusikpresse:
"Tanz-Rhythmen wie wichtige Kommentare zu drängenden Problemen
der modernen Gesellschaft Zimbabwes" (The Beat/Los Angeles)
"Ein rigoros moderner Sound, der aber auch die Vergangenheit nicht
aus den Augen lässt." (Folkroots/London)
"Typisch urbanes Klanggewebe mit Rock’n’Roll Spirit und vitalen
Folkwurzeln". (ME/Sounds)
National fanden weder "Farai" noch das Nachfolge-Album "Chamu"
– "Seit langer Zeit die beste Platte aus Zimbabwe" (Tradewind/London)
– eine Plattenfirma, obwohl Virginia Mukwesha "Chamu" mit
der Band des wichtigsten Musikers des Landes – Oliver Mutukudzi – aufgenommen
hatte. Der Grund: Die Texte seien "zu modern"! 1995 veröffentlichte
Virginia Mukwesha dann "Chamu" auf eigenem Label in Europa.
Auf "Chamu" fanden sich Elemente aus der Mbiramusik im Jiti
Mukweshas ein. Mehrere Stücke des Albums wurden von größeren
Firmen für Compilations lizensiert. Der Titel "Pegumberere"
tauchte als 12"-Auskoppelung in den Top Ten von Kolumbien auf und
lieferte frühen Rohstoff für die Ciampeta-Musik der Afro-Kolumbianer.
Mit dem Album "Tsika" krönte Virginia Mukwesha 1999 ihre
Jiti-Trilogie. Es mischte Jiti mit tiefen Mbirabeats und Elementen der
kongolesischen Soukousmusik. Es wurde mit ihrem "Jiti Dance Express"
aufgenommen. Mit dieser Formation hatte sie mehrere Europatourneen gemacht
und das Repertoire von "Tsika" ausreifen lassen. "...
hört man genauer hin, ergibt sich durch die stete ostinatohafte
Energie der Lieder schon auch eine gewisse Angriffslust – eine Lust,
die Welt und ihre Ungerechtigkeiten zu ändern" (Albert Hosp/Südwind)
Vorher hatte sie 1996 "Matare" veröffentlicht. Sieben
Mbiras spielen nonstop 1 Stunde die Kraft-Musik der Geisterzeremonien
- ohne Gesang, eine Komposition von Mukwesha aus Motiven der wichtigsten
Mbiralieder. Zum ersten Mal machte "Matare" die "echte"
Mbiramusik ausserhalb einer Zeremonie hör- und wahrnehmbar. "Pure
Magie" urteilte Folkroots
Wie alle Mbiraspieler kann Virginia Mukwesha im Schlaf spielen und im
Traum singen. Während fast alle von Männern gesungenen Mbira-Songs
von Armut, Krieg und Leid handeln, singt Virginia Mukwesha auch von
Witz, Freude, Glück und Liebe. Ihr Mbirastil heißt "Sunungukai:
Musik, bei der ein Stein vom Herzen fällt."
Auftritte Neben Tourneen mit ihrer Band "Jiti Dance Express"
tritt sie solo und in verschiedenen Formationen auf und lehrt Musik,
Tanz und afrikanische Kultur. Virginia Mukwesha gibt Konzerte in Afrika
und Europa, u.a. in der Royal Festival Hall, London Waldbühne,
Haus der Kulturen der Welt, Quasimodi, alle Berlin, Frankfurter Buchmesse
In Clubs, Krankenhäusern Stadien, Galerien, Botschaften und Firmen.
2002 veröffentlichte Virginia mit "Nzira" (Wege) ihr
Mbira-Soloalbum ("her best album" Jon Lusk). Es präsentiert
zum ersten Mal Mbira-Kompositionen, die nicht den spirituellen Tabus
gegenüber Frauen unterworfen sind und es ihnen deshalb ermöglichen,
365 Tage im Jahr Mbira zu spielen und zu hören. In dieser neuen
künstlerischen Freiheit geht sie soweit, auch Jitimusik auf der
Mbira zu spielen. Damit gelingt ihr die Fusion ihrer bis dahin radikal
unterschiedlichen Musikstile Mbira & Jiti. "Nzira" wurde
in Zimbabwe zum Bestseller und machte Virginia Mukwesha in ihrem Heimatland
zum Star.
Ein neues Album namens "Haundizive" ist in Vorbereitung (Stand
Winter 2005). Es heisst übersetzt "Ihr kennt mich nicht"
und bietet auf der Basis der Mbira zahlreiche Überraschungen...
Bei Interesse
würde Ich mich freuen von Ihnen zu hören.