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Manou Gallo

Von Divo nach Djiboi: Manou Gallo kehrt in ihre Kindheit zurück

Divo, eine kleine Stadt im Mittleren Westen der Elfenbeinküste, der Wiege des Volks der Djiboi. Dort wurde Manou Gallo am 31. August 1972 geboren. Sie wurde von ihrer Großmutter aufgezogen, die sich um sie kümmerte, als ob sie ihre eigene Tochter wäre. Manou war eine sehr eigenständige Person “ Damals habe ich wie eine Wilde gelebt. Ich half dabei, die Felder zu bestellen. Ich ging nicht zur Schule, aber meine Großmutter lehrte mich Tradition, Respekt und Werte.”

Es ist relativ leicht, sich Manou bildlich vorzustellen: sie trug kleine Shorts, denn dieswar das einzige Kleidungsstück, das sie besaß. Mit ihren großen Augen und dem ganzen Kopf voller Läuse, kletterte sie auf Mangobäume und rannte durch die Gassen Divos.

Während sie nach der Schule auf ihre Freunde wartete, schlug Manou rhythmisch auf ihre Beine, stampfte mit ihren Füßen und markierte das Tempo mit ihrer Stimme. Sie war vom Rhythmus besessen. “ Schon als ich ein kleines Mädchen war, ging ich von Hinterhof zu Hinterhof, die Plätze an denen die Familien jeden Tag zusammen kommen, um zu kochen, zu singen, um es in einem Wort zu sagen, um zu leben. Ich traf meine Freundinnen und früher oder später war es unvermeidlich, dass wir mit dem Singen anfingen, tanzten und auf Eisenboxen trommelten”.

In der Elfenbeinküste hat das Musikspielen Tradition. Bei Beerdigungen, Geburten oder um frisch geborene Zwillinge auf der Erde willkommen zu heißen. Natürlich auch für alle anderen Anlässe des Lebens, bei denen in Divo die Djiboi Rhythmen niemals fehlen. Materiell gesehen ist das Leben sehr einfach, aber voller Wärme und gibt einem das Gefühl, sich gut zu fühlen.

Manou trat zum ersten Mal während einer Beerdigungszeremonie auf, zu der der beauftragte Trommler nicht erschien. Sie schleppte einen kleinen Hocker hinter sich her und näherte sich der großen Trommel, der talking drums (“Atombra” in Dida, der Sprache der Djiboi). Sie kletterte bis zu den Fellen und begann, sie zu schlagen. Ein Wunder, wie sie das überhaupt meistern konnte!

Im Herzen des Dorfes Bada, dem ältesten Teil Divos, wo die Traditionen bis heute noch sehr lebendig sind, waren die Menschen verblüfft. “Alle waren sehr erstaunt und auch ein bisschen geschockt, denn Frauen war es nicht erlaubt, diese Trommeln zu berühren. Manche haben mich sogar für eine Hexe gehalten. Meine Großmutter unterstützte mich bei diesen Anlässen und erklärte mir, dass dies eine Gabe sei, die mir durch den Traum, den ihre Mutter hatte, die an dem Tag starb, an dem ich geboren wurde, gegeben wurde. Als ich acht Jahre alt war und die Trommeln bei diversen Zeremonien spielen sollte, spürte ich die Kraft meiner Vorfahren in meinen Fingerspitzen.”

Nach und nach wird Manou erwachsen

Die Jahre verstrichen und Manou wurde erwachsen, sie lebte weiterhin in Divo, verkaufte Orangen und verbesserte ihre rhythmischen Fähigkeiten. “Mein ganzes Leben wurde in Divo geschrieben: es sah aus, als ob keine Notwendigkeit darin bestand, wegzugehen. Trotzdem...” Jeden Sommer wurden an der Elfenbeinküste Treffen abgehalten, zu denen die Teilnehmer aus dem ganzen Land zusammenkamen. Ziel war es, eine Art künstlerischen Wettbewerb unter den jungen Leuten zu veranstalten. Dieses Ereignis nannte sich “Kulturferien”. Im Jahre 1984, im Alter von 12 Jahren, nimmt Manou erstmalig an dieser Show teil. Dies ist auch das erste Mal, daß sie Divo verläßt. Die Show, an der auch andere Kinder teilnehmen, ist inspiriert von Manous Geschichte und beschreibt das Leben der kleinen Hexe, die die Gabe zum Spielen der Trommeln erhält. Das Stück war ein sehr großer Erfolg.

Jedes Mal, wenn Manou auf der Bühne stand, waren die Zuschauer erstaunt und beneideten sie. Der Oberbürgermeister von Divo lud sie regelmäßig ein, wenn er Gäste empfing “Spiel Manou, spiele und gib dein Bestes”. Und Manou gab alles, was sie hatte, tief aus ihrem Herzen. Zu dieser Zeit managte der Sohn des Oberbürgermeisters eine Band mit dem Namen “Woya”. Sie spielten Musik von der Elfenbeinküste. Die Musiker, ursprünglich aus Abidjan, kamen nach Divo, um zu zeigen, dass man Musik machen und trotzdem Farmer sein kann. “ 1985 wurde ich eingeladen, bei “Woya” mit einzusteigen. Ich war die Kleine, die das Konzert mit den Trommeln eröffnete. Während dem Rest der Show durfte ich nur eine Glocke klingeln lassen. Dies jedoch war die Zeit, als ich die modernen Instrumente kennenlernte. Die Drums, den Bass und die Gitarre mit dem Mann, der mein spiritueller Vater werden und der eine große Rolle in meinem Leben spielen sollte: Marcelin Yacé, Musiker und Dirigent der Band.” Kurz darauf wurde “Woya” zu einer der bekanntesten Bands in Westafrika. Von 1985 bis 1989 tourte die Band intensiv (in Burkina Faso, Mali, Togo, Benin) und nahm vier CDs auf. In der Zwischenzeit erwarb Manou Erfahrungen und als sich die Band auflöste, folgte Manou Marcelin Yacé nach Abidjan. Er nahm sie unter seine Fittiche und schenkte ihr ihren ersten Bass. Er brachte ihr drei Jahre lang bei, wie man Musik in seinem Studio aufnimmt. “ Ich dachte nur an Musik. Ich hatte nur noch ein Ziel: eine Musikerin zu werden und ich steckte all meine Energie hinein, um mein Ziel zu erreichen”

Von 1993 bis 1996 schickte Marcelin sie in das panafrikanische Dorf Ki-Yi-Mbock, um ihr künstlerisches Talent weiterzuentwickeln. Dort trat sie einer Theatergruppe, bei der sie tanzen lernte, bei. Sie nahm außerdem an den Aufnahmen zu einer neuen CD teil, die von Ray Lema produziert wurde.

1992 während der MASA in Abdijan (ein internationaler Markt, auf dem Kunst aus ganz Afrika präsentiert wird) trifft Manou Michel De Bock, den Tourmanager und Lichtingenieur der Zap Mama Band.

Brüssel, New-York, Beijing, Divo

Manou und Michel kamen so gut miteinander aus, dass als Michel hörte, dass Marie Daulne, der Kopf von Zap Mama, einen Bassisten für die Band sucht, er sofort an das junge Mädchen von der Elfenbeinküste dachte und sie nach Belgien einlud. Manou Gallo landete am 03.01.1997 um 8:00 Uhr am Zaventem Flughafen mit ihrem Bass und Djembé. Sie hatte das Rennen jedoch noch nicht gewonnen, da Marie Daulne gerade aus Indonesien zurückkam, wo sie sich schon einige Musiker angehört hatte. “Meine Ankunft in Brüssel war ein Schock für mich. Ein Temperaturschock! Es schneite. Mir war sehr kalt bei den Proben und ich kam kaum von der Heizung weg, aber ich wußte auch, dass dies eine einmalige Gelegenheit war, die nicht noch mal kommen würde. Ich kannte bereits die Musik der Band und ich mußte mein Bestes geben. Und das tat ich während der Proben, die drei Tage andauerten.” Drei Tage an denen Manou Bass, die Drums und Djembé spielte. Sie sang und tanzte, um sich aufzuwärmen. Und nach drei Tagen hatte sie es geschafft. Marie und die anderen Bandmitglieder hießen sie herzlich willkommen bei Zap Mama. In diesem Jahr, mit ihrem ersten Gehalt, erlaubt sie sich ein nachträgliches Neujahrsgeschenk. Eine neue Bass-Gitarre.

Es sind nun sechs Jahre vergangen, seit Manou auf Tour ist und auf der ganzen Welt Zap Mamas Musik spielt. 1999 spielt sie einige Konzerte mit den Tambours De Brazza, wo sie die einzige Frau war. “Hier in Europa habe ich die Offenheit des Geistes, den Mix der Kulturen und der Musik gelernt”

In Brüssel lebend schätzt sie die Vielfältigkeit dieser gemischten Stadt. Aber tief in ihr drin, hat sie noch die kleine Melodie in ihrem Kopf, direkt aus Divo. “Wenn ich zurück in mein Land gehe, werde ich die Farben, Töne und den Rhythmus, den ich aus meiner Kindheit kenne, wieder entdecken”. Dies hat sie sicherlich dazu angespornt, ihre eigenen Texte zu schreiben, indem sie Französisch, Englisch und Dida mischt, um die Dinge zu sagen, wie sie kommen. Ihre Texte folgen der Musik, die sie schon immer in sich hatte. “Die Musik, die ich erschaffen wollte, ist ein Mix aus allen Etappen meines Lebens: Meine Geschichte und meine Herkunft haben mich inspiriert”. 2001 stellte sie ihre eigene kleine Band zusammen mit Musikern, die auch ihre Freunde sind. Dies ist ein bißchen wie damals, als ein kleines Mädchen alle ihre Freundinnen zusammentrommelte um mit ihnen ein Konzert im Hinterhof ihrer Heimatstadt zu improvisieren. Und heute will Manou zusammen mit ihrer Band ‘The Djiboi’ die Musik aus Divo über das Radio auf der ganzen Welt verbreiten.


Bei Interesse würde Ich mich freuen von Ihnen zu hören.

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