CHIWONISO
MARAIRE Sie ist eine der erstaunlichsten Künstlerpersönlichkeiten des südlichen Afrika. Aufgewachsen in den USA und Zimbabwe bezieht Chiwoniso Maraire ihr Erbe aus der uralten Tradition der Shona mit den Rhythmen des Daumenklaviers Mbira, zugleich schöpft sie Inspiration aus der urbanen Musikkultur der Staaten von Soul bis HipHop. Unermüdlich engagiert sie sich für Afrika, die Rechte der Frauen und Kinder, kämpft mutig gegen den derzeitigen Raubbau der zimbabwischen Führung am eigenen Volk. Wenn sie ihr zweites Album - das erste Werk mit voller Bandbesetzung nach dem Debüt vor zehn Jahren - Rebel Woman nennt, so besitzt dieser Titel gleich mehrere Ebenen. Er spiegelt die große Tradition der Auflehnung in ihrem Land, der Chimurenga wider, und er steht zugleich dafür, dass die musikalischen Schemata der Weltmusik widerlegt werden. Dabei kommt das Opus zu einer Zeit, in der sich entscheidet, ob Zimbabwe aus dem Abgrund endlich herausfinden kann. Die Frau mit Löwenherz trägt textlich unerschrocken und klanglich erfindungsreich zu einer besseren Zukunft ihres Landes bei - mit dem Feuer von Angélique Kidjo, der Inspiration von Oliver Mtukudzi, dem Rebellengeist von Thomas Mapfumo und dem Soul von India.Arie. Kindheit
in den USA Jugend
in Harare Solo-Start
Engagierte
Jahre Parallel
dazu hat Chiwoniso nach der Millenniumswende schon eine erneute Konzentration
auf ihre Solo-Aktivitäten begonnen. Tief taucht sie in Zimbabwes
Wurzelgeflecht ein, als sie die akustische Gruppe VIBE CULTURE gründet
– ein Seitenpfad, der schließlich in die CD Timeless mündet:
„Ich fühlte, dass ich eine akustische CD nur mit Mbira, Perkussion
und einer Menge Stimmen machen musste, um dem Instrument einfach Danke
zu sagen. Es hat mich an Orte in der Welt gebracht, an die ich ohne
es niemals gekommen wäre.“ Und so steht dieses Werk aus dem Jahre
2004 für sich, während Chiwoniso Anlauf nimmt für ihre
zweite CD mit komplettem Band-Sound. Rebel
Woman Chiwonisos zweites Album ist ein Gesamtkunstwerk. Schon das imposante Cover nötigt Respekt ab und verweist auf die engagierte Ausrichtung der Texte. Die Sängerin erscheint hier als stolze unbeugsame Kriegerin mit historischem Background: „Ich wollte etwas sehr Afrikanisches und zugleich Urbanes ausdrücken. Während des Foto-Shootings habe ich an Mbuya Nehanda gedacht, jene rebellische Frau, die die Aufstände von 1896 (den sogenannten First Chimurenga, im Unterschied zum zweiten Unabhängigkeitskampf von 1966-1980) gegen die Kolonialherren angeführt hat und schließlich gehängt wurde.“ Von ihrem Mut hat sich Chiwoniso eine große Portion abgeschnitten, denn mit ihrem Wohnsitz in Harare lebt sie inmitten eines furchtbaren Bürgerkrieges, den die Schergen von Robert Mugabe seit 2000 gegen das eigene Volk führen. Die Zensur von Künstlern spielt sich dabei auf einer persönlichen Ebene ab: „Es gibt keine öffentlichen Sanktionen von höchster Stelle, vielmehr kontrollieren gewisse Individuen aus der Regierung stichprobenartig meine Shows, schüchtern mich ein, weil ich „zuviel reden“ würde. Letztes Jahr bin ich verhaftet worden und man hat auch versucht mich zu kidnappen. Dabei habe ich in keinem einzigen Fall jemanden persönlich beleidigt, nur die Zustände im Land angeprangert. Wenn jemand aber mit Gewalt gegen mich angeht, muss er wissen, dass auch ich bereit bin gegen ihn zu kämpfen. Dann erwacht meine innere Kriegerin“, sagt sie ganz ruhig und mit festem Blick. Kein Wunder, dass diese Frau in ihren Texten weitestgehend auf Metaphern verzichtet – sie nennt die Dinge lieber direkt beim Namen. „Ich befürchte, dass die Hälfte der Songs nicht in Zimbabwe gespielt werden dürfen“, ist ihre bittere Vorahnung. Die
Songs Ein
freies Zimbabwe Das Machtgeschachere zwischen Mugabe und Tsvangirai, die hilflosen und halbherzigen Vermittlungsversuche von Südafrika halten nun seit Monaten an, während die Situation für die Bevölkerung untragbar bleibt. Ende August hat Chiwoniso deshalb eine schwere Entscheidung getroffen und ihre Heimat vorläufig verlassen. Frustriert darüber, dass keine politische Lösung in Sichtweite ist, frustriert, dass der jungen Generation die Zukunft verbaut wird. Sie selbst sieht sich immer wieder damit konfrontiert, dass Auftritte durch Stromausfälle und finanzielle Schwierigkeiten unmöglich gemacht werden. Von Kalifornien aus möchte sie die Experimente mit ihrem Sound vorantreiben und eine neue Band aufbauen. Es ist keine Flucht, betont sie, praktische Erwägungen als Künstlerin und Mutter haben sie zu diesem Schritt bewogen. Der Tag der Rückkehr wird kommen - unmissverständlich betont sie:"Zimbabwe is my heart and my soul.“ Eine Rebellin auf mehreren Ebenen: Musikalisch gewagt koppelt die urbane Queen of Mbira die Shona-Wurzeln ihrer Heimat und die moderne Black Music der USA, textlich begehrt sie gegen die Misere ihres Landes auf. Rebel Woman ist Chiwonisos Statement aus dem Auge des Sturms, in dem sie so lang ausgeharrt hat.
Bei Interesse
würde Ich mich freuen von Ihnen zu hören.
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